Promotionsprojekte
Laufende Projekte
Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes wird der Aufenthalt von Künstler*innen, Sammler*innen, Kunsthändler*innen und Kunsthistoriker*innen in Italien zwischen 1933 und 1945 untersucht, die aus verschiedenen Gründen aus dem deutschsprachigen Raum nach Italien gegangen sind und sich unter anderem in Florenz niedergelassen haben. Basierend auf Literatur- und Archivrecherche sollen die wichtigsten Akteur*innen der deutschen Kunstszene in Florenz identifiziert und präsentiert werden. Mittels Netzwerkanalysen sollen ihre Aktivitäten und Verbindungen innerhalb der deutschsprachigen Gemeinschaft aber auch mit anderen Ausländer*innen sowie Einheimischen untersucht werden.
Die Dissertation untersucht Möglichkeiten und Ziele musealer Kunstvermittlung im digitalen Raum unter Berücksichtigung publikumsorientierter Perspektiven sowie intendierter und tatsächlicher Wirkung. Dabei werden Vermittlungsformate im digitalen Raum klar vom verwandten Feld der digitalen Kunstvermittlung im analogen (Ausstellungs-)Raum abgegrenzt. Die Arbeit identifiziert Potenziale und Grenzen digitaler Vermittlungsformate sowie konkrete Einflussfaktoren, die die Nutzung von Vermittlungsangeboten im digitalen Raum hinsichtlich ihres intendierten Ergebnisbereiches beeinflussen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit besteht darin, die Nutzungsintention digitaler Kunstvermittlungsangebote zu untersuchen. Die Dissertation verfolgt damit das übergeordnete Ziel, die Passung zwischen institutionellen Intentionen und den Bedürfnissen der Nutzer*innen sichtbar zu machen, um somit aufzuzeigen, wie digitale Kunstvermittlung konzipiert sein kann, um museale Bildungs- und Vermittlungsziele zu unterstützen.
Dabei wird zunächst festgelegt, welche Zielsetzungen mit musealen Vermittlungsstrategien verknüpft sind, um intendierte Wirkungsdimensionen zu benennen. Basierend auf der 2022 verabschiedeten Museumsdefinition nach dem International Council of Museums wird das Museum zunächst in seiner Funktion als 1. Lernort, 2. Erfahrungsort, 3. Partizipationsort dargestellt. Als theoretischer Rahmen zur Wirkungsmessung von Lernprozessen im musealen digitalen Raum werden schließlich die Generic Learning Outcomes (University of Leicester) sowie das Contextual Model of Learning nach John H. Falk/Lynn D. Dierking vorgestellt. In ihrem Verständnis von ästhetischer Erfahrung orientiert sich die Arbeit an John Deweys Kunst als Erfahrung. Die zugrunde gelegte Auffassung des Museums als partizipativen Ort basiert auf den Überlegungen des Participatory Museum von Nina Simon. Als empirische Grundlage wird zunächst ein experimentell angelegter quantitativer Pretest durchgeführt, um erste Tendenzen zu Nutzungsverhalten und Wahrnehmung digitaler Angebote zu erfassen. Anschließend untersucht die qualitative empirische Hauptstudie Potenziale und Grenzen, Nutzungsintention sowie Einflussfaktoren auf die Wirkung des digitalen Vermittlungsraums basierend auf den zuvor dargestellten drei Zieldimensionen (Lernen, Erfahren, Partizipieren) digitaler Vermittlungsangebote. Die qualitative Studie belegt in der Identifikation der Nutzungsszenarien basierend auf Nutzungsmotivation, dass digitale Vermittlungsangebote den Museumsbesuch nicht ersetzen, sondern viel mehr in enger Verknüpfung zum analogen Museumserlebnis betrachtet werden. Zugleich kann basierend auf den Ergebnissen der qualitativen Studie ein Modell an Faktoren, die Einfluss auf die Wirkung digitaler Vermittlungsangebote haben, entwickelt werden: Diese identifizierten Einflussfaktoren lassen sich in die Kategorien 1) vermittelnde Inhalte, 2) visuelle Umsetzung, 3) Usability, 4) Einbindung der Nutzer*innen und 5) Motivation unterteilen. Abschließend fasst die Arbeit Potenziale und Grenzen musealer Kunstvermittlung im digitalen Raum in seiner Wirkung als Lern-, Erfahrungs- und Partizipationsort zusammen.
Die Arbeit trägt somit zum theoretischen Verständnis von Vermittlungsformaten im digitalen Raum unter Beachtung des Vermittlungsangebots als kontextualisierendes ästhetisches Medium bei und schließt die Forschungslücke einer nutzungs- und somit publikumsorientierten Untersuchung digitaler Vermittlungsangebote.
Erstbetreuerin: Univ.-Prof. Dr. Ulli Seegers (HHU Düsseldorf), Zweitbetreuung: Univ.-Prof. Dr. Hubertus Kohle (LMU München)
Im laufenden Forschungsprojekt wird in Kooperation mit der Bundesvereinigung kulturelle Teilhabe e.V. der Ansatz der Citizen Science genutzt, um den erstmalig den Status Quo des Kulturnutzungsverhaltens von Menschen mit wenig oder keinem Einkommen abzubilden. Durch die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen der Bundesvereinigung kann nicht nur die bestehende Expertise aufgegriffen, sondern auch ein neuer Feldzugang geschaffen werden, da die im Dachverband organisierten Vereine mit ihrer Vermittlung kostenfreier Tickets knapp 100.000 Menschen mit wenig oder keinem Einkommen im gesamten Bundesgebiet erreichen.
Insgesamt handelt es sich beim Forschungsdesign um einen Mixed-Method-Ansatz in sequentieller Abfolge einer qualitativen und einer quantitativen Studie, bei der eine standardisierte Umfrage an 12.967 Personen geschickt werden konnte. Die Analyse des Datensatzes von 2.562 auswertbaren Fragebögen bildet belastbar das Kulturnutzungsverhalten von Menschen mit wenig oder keinem Einkommen ab, identifiziert Voraussetzungen und intersektionale Zugangsbarrieren zu Kultur und evaluiert Möglichkeiten, wie aus Nicht-Besucher:innen ein aktives Publikum werden kann.
Mehr Informationen zum Projekt: https://www.kuk.hhu.de/kulturelle-teilhabe-und-citizen-science
Eine korrekte Darstellung des weiblich gelesenen Geschlechts gibt es in deutschen Schulbüchern erst seit 2022. Die Vulva, der äußere, sichtbare Teil, wurde lange fälschlicherweise als Vagina bezeichnet, was jedoch den inneren Kanal beschreibt. Doch nicht nur in der Sprache gab es diese Leerstelle. Das sichtbare Geschlecht wurde auch in der Kunst lange nicht gezeigt. Nach antikem Vorbild galt es als Ideal, die Vulva verhüllt oder reduziert auf einen unbehaarten Venushügel darzustellen. Erotisierende Darstellungen aus einer voyeuristischen, männlichen Perspektive heraus, blieben für einige Zeit der einzige Tabubruch.
Künstlerinnen wurden lange Zeit aufgrund ihres Geschlechts aus der Kunstwelt und der Kunstgeschichte ausgeschlossen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert haben sich Künstlerinnen vermehrt mit der Darstellung der Vulva auseinandergesetzt. Diese Form der Selbstermächtigung und Emanzipation nimmt ab den 1960er Jahren rapide zu. Die Ikonografie der Vulva, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von mythischen und religiösen sowie voyeuristischen und erotisierenden Bildern geprägt war, fächert sich auf und erweitert sich. Die Ikonografie der Vulva wurde noch nicht in ihrer Vollständigkeit untersucht.
Ziel ist es eine umfassende Ikonografie der Vulva zu erstellen, die es ermöglichen soll das Sujet in seiner breiten Vielfacht zu betrachten sowie im Kontext der Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft zu verorten.
Eine vergleichende Analyse am Beispiel der Werk(kunst)schulen in Krefeld, Düsseldorf und Köln
„Zur Revision einer Geschichtsschreibung über Frauen im Grafikdesign zählt deshalb auch, dass ihre reale Präsenz sichtbar wird und ihre nachträgliche Ausschließung nur verständlich wird, wenn die Kontextfaktoren beschrieben werden, die zu der Ignoranz führten.“ (Breuer, Gerda: Her Stories in Graphic Design. Dialoge, Kontinuitäten, Selbstermächtigungen. Grafikdesignerinnen 1880 bis heute; Berlin; 2023, S. 7)
Die zentralen Forschungsfragen des Promotionsprojekts lauten: Wie sah in den 1950er- und 60er-Jahren die Gestaltungsausbildung an den Werkkunstschulen in Düsseldorf, Krefeld und der Werkschule Köln aus? Lassen sich anhand objektiver Faktoren wie z.B. Studierendenzahlen, ausreichend Gründe dafür finden, warum so wenig Absolventinnen der Werkkunstschulen in der designhistorischen Rezeption zu finden sind? Welche Voraussetzungen mussten damals für eine erfolgreiche und somit auch unübersehbare berufliche Laufbahn gegeben sein? Welche Relevanz kommt dem Aspekt der unzureichenden Sichtbarkeit und der damit einhergehenden mangelnden Vorbildwirkung von Frauen in der Gestaltung zu?
Ausgehend von den Bildungsreformen nach dem zweiten WK und veränderten Ausbildungsbedingungen, untersucht die Arbeit detailliert Methoden, Strukturen und Besonderheiten der gestalterischen Ausbildung an den Werkkunstschulen, in den Jahren zwischen 1950 und 70 mit dem Ziel, einen Einblick in die damals vorherrschenden Strategien und Faktoren, die zur späteren Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung führten, auszumachen. Zu diesem Zweck verbindet das Forschungsprojekt Ansätze und Gedanken unterschiedlicher Forschungsdisziplinen, insbesondere der Designgeschichte, der Professions- und der Geschlechterforschung.
Obwohl als Disziplin viel jünger als Kunst- oder Architekturgeschichte, beschäftigt sich Designgeschichte ebenfalls mit der Frage, wie und warum bestimmte Objekte oder Werke als wertvoll, bedeutungsvoll oder prägend für eine bestimmte Epoche gelten. Gegenstand der Betrachtung können dabei sowohl Designtheorie, Rezeption und Kanonbildung, der Einfluss von Institutionen, Gestaltungsprozesse wie auch Gestalter*Innen und deren Ausbildung sein.
Im Rahmen der deskriptiven Analyse soll erarbeitet werden, welche schillernden und prägenden Frauengestalten des Hochschullebens, beispielsweise Professorinnen oder Lehrende im "Forschungsbiotop Rheinland", zu nennen sind. Um eine valide Vergleichbarkeit im zeitgeschichtlichen Kontext zu gewährleisten, wird der Fokus auf drei Werkkunstschulen gelegt, die in unmittelbarer geografischer Nähe zueinander am Rhein gelegen sind.
Abgeschlossene Projekte
Die Dissertation positioniert sich in der Forschung im Bereich der Monographien. Sie stellt die Aufarbeitung des Künstlers Gerhard Hoehme (1920–1989) dar, der von 1951 bis 1989 in Düsseldorf wirkte, unter anderem als Professor für Freie Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine Kunst wird der Stilrichtung Informel zugeordnet.
In dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist ein Fokus auf die Gattung der Papierarbeiten in seinem OEuvre gelegt. Ausgangspunkt hierfür bildet das Konvolut von rund 750 Arbeiten aus dem künstlerischen Nachlass. Im Zuge dessen wurden weitere Kunstwerke von Gerhard Hoehme und vereinzelt auch von anderen Künstler:innen hinzugezogen. Außerdem erfolgte eine intensive Recherche in den Archivalien des Künstlers (mit über 1.800 Briefen und mehr als 900 Zeitungsartikeln).
Damit die Vermittlung Hoehmes künstlerischer Intention möglichst adäquat erfolgte, wurden der Künstler und sein Werk unter Berücksichtigung der historischen Entwicklungen in den 1950er bis 1980er Jahren betrachtet. Dritter Untersuchungsgegenstand der Dissertation ist die Stilrichtung Informel. Mit einer Etikettierung eines/einer Künstler*in durch einen Stilbegriff geht immer auch eine damit in Verbindung stehende Formung der Wahrnehmung seiner Kunst, gegebenenfalls auch eine Erwartungshaltung und Wertung einher. Diese ist bei den informell arbeitenden Künstler*innen besonders problematisch, was die vorliegende Untersuchung an verschiedenen Stellen demonstriert.
Insgesamt ist es das Ziel der Dissertation, das Spannungsfeld zu verdeutlichen, in dem Hoehmes Kunst zu verorten ist. Sie soll als neue Quelle fungieren, die zu weiteren übergreifenden Untersuchungen anregt.